Das Tor zum Hohenloher Land steht weit offen

von Rolf Muth aus der Heilbronner Stimme vom 30.1.2003

Ungebremst fährt sie weiter ins Hohenloher Land: Die Stadtbahn aus Richtung Eppingen hat nun die letzte Hürde in den Osten der Region genommen. Das komplexe Vertragswerk wurde gestern von den Landräten und den Bürgermeistern beider Kreise in Obersulm unterzeichnet.

Seit zehn Jahren befassen sich die Kommunen im Weinsberger Tal mit der Stadtbahnanbindung, die mit dem Sommerfahrplan 2004 einen 20-Minuten-Takt nach Heilbronn und nach Öhringen bieten wird. An diesem ehrgeizigen Zeitplan will Dr. Dieter Ludwig, Geschäftsführer der Albtalverkehrsgesellschaft (AVG), festhalten.

" Ich bin stolz, dass der Landkreis und der Kreistag die Investitionen in die Stadtbahn immer als Investition in die Zukunft unseres Raumes gesehen haben ", betonte der Heilbronner Landrat Klaus Czernuska. Dies sei vor dem Hintergrund der Finanzmisere der öffentlichen Haushalte und der Kostensteigerung des Stadtbahnprojekts besonders anerkennenswert. Noch tief sitzt der Schock vom Sommer 2002, als die AVG aufgrund unzutreffender Zahlen der Deutschen Bahn die Projektberechnung um 24 Millionen Euro auf jetzt rund 90,5 Millionen Euro nach oben korrigieren musste. Czernuska: "Davon bleiben 30 Millionen Euro übrig, die von kommunaler Seite zu finanzieren sind. "

Stadtbahn Heilbronn

Stadtbahn Heilbronn

Auf diesem Meilenstein will sich der Landkreis Heilbronn aber keineswegs ausruhen. Die standardisierte Bewertung für die Nord-Süd-Achse Lauffen-Bad Friedrichshall stellt eine ordentliche Rentabilität in Aussicht. Die aussagefähigen Zahlen liegen den Zuschussgebern in Berlin und Stuttgart bereits vor.

Landrat Helmut M. Jahn, Hohenlohekreis, ist froh über diese " einmalige Chance". Trotz der Kostensteigerung, die insbesondere im Hohenlohekreis einen heftigen Verarbeitungsprozess in Gang gesetzt hatte, hält auch das Hohenloher Land an der Bahn fest, "die in einigen Jahren eine bedeutende Infrastruktureinrichtung in der Region sein wird ".

10 000 Fahrgäste am Tag werden für die Innenstadt Heilbronn erwartet. Erst mit der Erweiterung nach Osten bekomme die Stadtbahn ihr eigentliches Gewicht. Bis zu 6000 Personen täglich fahren mit ihr schon jetzt in der Innenstadt. Erste Bürgermeisterin Margret Mergen: " Die Stadtbahn ist zu einem zugkräftigen Motor für den gesamten öffentlichen Personennahverkehr in der Region geworden."

Auch die Kommunen direkt an der Stadtbahnstrecke versprechen sich durch die Bahn und den darauf auszurichtenden Busverkehr einen deutlichen Aufschwung. Jahrelang haben sie für dieses Ziel verhandelt und sich dafür verkämpft, wie ihr Sprecher, Obersulms Bürgermeister Harry Murso, betonte. "Wecken wir heute mit unserer Unterschrift die Bahnlinie Heilbronn-Öhringen aus dem Dornröschenschlaf."

© Bericht und Photos aus:

Heilbronner Stimme vom 30.1.03

Kommentar: (von Rolf Muth)

Bund und Land halten an ihren Zusagen, das Stadtbahnprojekt mit 85 Prozent zu unterstützen, trotz der Mehrkosten von 24 Millionen Euro fest. Gott sei Dank! Die Stoßgebete der Landratsämter Heilbronn und Hohenlohe sowie der beteiligten Kommunen wurden erhört. Noch im Sommer durch die Kostensteigerung um 24 auf 90,5 Millionen Euro wie von einer Breitseite getroffen, taumelten sie nun weiter in die allgemeine kommunale Finanzmisere. Zu Recht macht es den Heilbronner Landrat Klaus Czernuska stolz, dass die beteiligten Städte und Gemeinden und der Kreistag trotz dieser negativen Tendenz am Projekt festhalten.

Jeder hat erkannt, dass die Stadtbahn Aufschwung für die Region und gleichzeitig Entlastung fürs Straßennetz bedeutet. Das macht der Raum Karlsruhe deutlich, wo die Albtalverkehrsgesellschaft einen Siegeszug ohnegleichen angetreten hat. Das unterstreichen beeindruckende Zahlen auf der noch jungen Strecke Eppingen - Heilbronn.

Verständlich ist, dass Kommunalpolitiker zunächst schreckhaft einen Schritt zurückgewichen sind. Und längst sind nicht alle Unsicherheiten ausgeräumt, wie beispielsweise die 25 Millionen Euro teure Signaltechnik. Hier soll die Deutsche Bahn 50 Prozent tragen. Noch gibt's keine Zusage. Vielmehr schielt das Unternehmen, das den Nahverkehr so sträflich vernachlässigt hat, plötzlich wieder auf Verbindungen, wie die Strecke nach Öhringen. Hier will sie kräftig mitverdienen. Verdient hat sie das nicht.

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