aus der Heilbronner Stimme vom 3. März 2000
von Hans-Ulrich Köhler


Wiener Wanderensemble "Kinderoper Papageno" begeisterte Fleiner Schulkinder

Gelungene Einführung in die Welt der Oper

Heiteres Lustspiel frei nach Mozarts Zauberflöte

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Trotz der frühen Morgenstunde war das fünfköpfige Ensemble, das sich "Kinderoper Papageno" nennt, hochmotiviert, den Schulkindern Fleins im brechend vollen Musiksaal die kindgerechte Version der "Zauberflöte" als "Papageno im Wunderland" zu präsentieren.

Es sind akademisch ausgebildete Sänger, die sich die Aufgabe gestellt haben, Kindern, die meist nicht allzuviel mit klassischer Musik am Hut haben, an die Welt der Oper heranzuführen. Und was eignet sich besser für ein solches Vorhaben, als das märchenhafte Werk von Mozart mit dem ungleichen Liebespaar Papageno und Papagena.

Stimmlich ausgefeilt erklangen die schönen Arien und Duette aus der Zauberflöte oder aus Don Giovanni. Dennoch fanden die gesprochenen Szenen die gespannteste Aufmerksamkeit, nicht zuletzt die temperamentvollen, mimisch gekonnten Auftritte von Barbara Egger als böse Schwester des gutmütigen Königs, gespielt von dem Bassisten Emil Slawtschew.
Papageno Martin Winkler bekam sofort Kontakt zu den Kindern. Sie wussten über die verschiedenen Stimmlagen ganz gut Bescheid. Er hielt das Heft fest in der Hand und setzte sich mit seiner kräftigen Baritonstimme durch, gleich ob es ein Mitmachen der eifrigen Zuhörerschaft zu lenken galt, ob er sich als singender Vogelhändler ausgab oder beim Betrachten des Bilds der schönen Papagena sang "Dies Bildnis ist bezaubernd schön".

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papage3.jpg (25591 Byte) Sein Freund und Mitstreiter beim Werben um Papagena stand ihm mit seinem Tenor in nichts nach. In der recht freien Kurzfassung hieß der Tamino, gespielt von Johannes Föttinger, eben Giordino. So war es auch kein Beinbruch, wenn aus gegebenem Anlass der Triumphmarsch aus "Aida" aus den tadellos eingestellten Boxen erklang oder die Königstochter die "Habanera" aus "Carmen" als Auftrittslied sang. Claudia E. Fenn gefiel mit einem zwar nicht großen, aber schlanken, gefälligen Mezzosopran.
Spannend wurde es dann, als es um die Lösung von drei Fragen ging, mit der Papageno endlich gegen den Widerstand der Königsschwester seine Papagena erringen konnte. Zu Beginn gab es ein Gewitter, bei dem der Saal nur so dröhnte, weil alle bei dieser Beschallung mitmachen durften. Drei Mädchen spielten die Glücksfeen, die Papageno die Symbole aushändigen durften, mit deren Hilfe er die schwierigen Fragen lösen konnte. Als Erzkomödianten zeigten sich Papageno und Giordano beim Ohrwurm "Reich mir die Handn mein Leben". Als sich Papageno und Papagena zu den Klängen des berühmten, spritzigen Duetts in die Arme schließen durften, war die Kinderoper viel zu früh zu Ende. Aber aus dem stürmischen Zugaberufen konnte nichts werden, denn Happy End ist bei einer Oper eben der Schluss der Handlung.

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Die pädagogische Erfahrung der Wiener Schauspieler machte es möglich, das junge Publikum an die wertvolle Thematik Musiktheater heranzuführen und zu begeistern. Rasch war dann das schmucke Bühnenbild mit den Rosenranken des königlichen Gartens abgebaut. Der Kleinbus der geschickten und mit Wiener Charme auftretenden Mimen konnte dem nächsten Ziel des Tages, einer Schule im Kraichgau, entgegenrollen. Für die Fleiner Kinder war es ein interessanter und lustiger Vormittag, den der rege Förderverein der Schule möglich gemacht hatte.

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